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Heizungsgesetz 2026: Warum die neue Gas-Freiheit zur Kostenfalle für Hausbesitzer wird

Die Bundesregierung hat den Wegfall der 65%-Pflicht beim neuen Heizungsgesetz verkündet. Doch was nach Wahlfreiheit aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als teures Risiko für Hausbesitzer. In diesem Artikel erklären wir, warum die neue Grüngas-Quote den Gaspreis stark steigen lässt, warum das Gasnetz ein Unsicherheitsfaktor bleibt und weshalb die Wärmepumpe trotz Gesetzesänderung die wirtschaftlichste Lösung für Bestandsimmobilien bleibt. Erfahren Sie außerdem, welche Maßnahmen jetzt entscheidend sind, um die Förderung noch mitzunehmen.
Veröffentlicht am
4.3.2026
Ein KI generiertes Bild einer verreiste Wärmepumpe von der Marke Vaillant
Autoren
Tobias Klug
Mitarbeiter Foto

Die Grüngas-Quote: Versteckte Kosten hinter der neuen Wahlfreiheit

Mit der Namensänderung des Gesetzes und dem Wegfall der 65%-Pflicht können Hausbesitzer theoretisch wieder uneingeschränkt Gas- und Ölheizungen verbauen. 

Das als Heizungsgesetz bekannte “Gebäudeenergiegesetz” (GEG) wird im Rahmen einer Reform 2026 in „Gebäudemodernisierungsgesetz“ (GMG) umbenannt. Die Regelung (§ 71), dass neue Heizungen so arbeiten müssen, dass mindestens 65 Prozent der erzeugten Wärme aus erneuerbaren Energien kommen, soll wegfallen.

Doch dieser vermeintliche Freifahrtschein ist an eine riskante neue Bedingung geknüpft: Eine Quote für grünes Gas und Öl wird eingeführt, die ab 2028 greifen soll. Diese Quote verpflichtet Versorger, fossilen Brennstoffen einen stetig wachsenden Anteil an teurem Biogas oder Wasserstoff beizumischen.

Der Tagesspiegel hat auf Basis aktueller Daten errechnet, dass sich der Gaspreis innerhalb der nächsten 10 Jahre durch diese Quote nahezu verdoppeln wird. Hausbesitzer sind dann nicht nur auf die Verfügbarkeit dieser Kraftstoffe angewiesen, sondern tragen die massiven Mehrkosten für Grüngas und die zusätzlich greifende steigende CO2-Bepreisung im Alleingang. Was beim Kauf der Heizung gespart wird, fließt also später mehrfach in die Betriebskosten.

Prognose der Gaspreisentwicklung bis 2025 - https://background.tagesspiegel.de/energie-und-klima/briefing/gmg-eckpunkte-verfehlen-klimaziele#ts-paywall

Damit schützt die Bundesregierung das Geschäft von Gas- und Ölanbietern, nimmt aber extreme Kosten der Konsumenten für das Heizen in Kauf. Vor allem Mieter, die nicht über die Art ihrer Heizung entscheiden können, sind durch diese Anpassung stark benachteiligt. 

Anteil des Einkommens den Haushalte schon heute für Heizen ausgebenQuelle: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.901904.de/24-19.pdf

Das Risiko der Infrastruktur: Wenn das Gasnetz verschwindet

Ein oft übersehenes Risiko beim Einbau einer neuen Gasheizung ist zudem die Zukunft der Infrastruktur. In vielen Regionen Deutschlands wurde bereits der Rückbau der Gasnetze beschlossen, da der Betrieb für die Versorger bei sinkenden Nutzerzahlen unwirtschaftlich wird. Hausbesitzer, die heute noch in fossile Technik investieren, tragen das Risiko, dass ihr Energieträger in wenigen Jahren buchstäblich "abgeklemmt" wird.

Entwicklung der Gasnachfrage und NetzentgelteQuelle: https://umweltinstitut.org/wp-content/uploads/2025/12/IFAM_Kurzgutachten_Gasnetzstilllegungsplanung_2025-12-05.pdf

Anzahl in der Gasversorgung verbleibender Haushalte und NetzkostenbelastungQuelle: https://umweltinstitut.org/wp-content/uploads/2025/12/IFAM_Kurzgutachten_Gasnetzstilllegungsplanung_2025-12-05.pdf

Der geplante rechtliche Rahmen für die Stilllegung von Gasleitungen sieht eine Ankündigungsfrist von 10 Jahren vor, u.a. der VKU fordert eine Verkürzung auf 5 Jahre. Das heißt, wer jetzt eine neue Gasheizung einbaut, hat keine Sicherheit mehr, dass sie 20 Jahre laufen kann.


Während Städte wie Mannheim und Stuttgart bereits einen Gas Ausstieg bis 2035 forcieren, peilen auch Augsburg, Hannover und Würzburg die Stilllegung ihrer Netze bis spätestens 2040 an. Selbst München und Regensburg haben das Gas-Aus für spätestens 2045 fest terminiert – eine Entwicklung, die den Branchentrend widerspiegelt, wonach 19 % der befragten Stadtwerke eine vollständige Stilllegung ihrer Gasinfrastruktur bis spätestens 2045 planen, die meisten davon sogar deutlich früher.

Zusätzlich verschärft der EU-Emissionshandel die Lage. Ab 2027 fällt der staatliche Deckel für die CO2-Bepreisung, da der freie EU-Handel (ETS2) beginnt. Experten erwarten einen drastischen Sprung der Heizkosten. Wer sich jetzt für eine fossile Heizung entscheidet, macht sich von einem Markt abhängig, der politisch und wirtschaftlich gewollt immer teurer wird. Heizen mit Gas entwickelt sich so in Rekordtempo zum Luxusgut.

Die Wärmepumpe als Standard im Bestand: Effizient und zukunftssicher

Welche Alternativen bleiben nun also Hausbesitzern, wenn sie sich von den steigenden Betriebskosten unabhängig machen wollen? Lange hielt sich das Gerücht, eine Wärmepumpe funktioniere nur im Neubau mit Fußbodenheizung. Die Zahlen von 2025 zeigen ein anderes Bild: Die Wärmepumpe ist mittlerweile die meistgekaufte Heizung in Deutschland. Dank technologischer Sprünge arbeitet sie auch in Bestandsimmobilien mit klassischen Heizkörpern hocheffizient und ohne teure Sanierung. In unseren Nachbarländern ist dieser Standard bereits seit Jahren Realität.

Die Daten von TGA Fachplaner zeigen: Öl und Gasheizungen verlieren drastisch an Relevanz, das Vertrauen in Hybrid-Systeme ist komplett verschwunden. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Wärmepumpen 2025 um 55%.

https://www.tga-fachplaner.de/meldungen/marktdaten-2025-absatz-von-heiztechnik-8-von-16-segmenten-im-minus

Hausbesitzer profitieren zudem von einer Trendwende bei den Stromkosten. Dank staatlicher Zuschüsse zu den Netzentgelten sinken die Strompreise 2026 erstmals wieder spürbar. Während fossile Brennstoffe durch Quoten und Steuern teurer werden, wird der Betrieb elektrischer Heizsysteme durch den Ausbau erneuerbarer Energien immer attraktiver.

“Die Wärmepumpe ist die einzige Versicherung gegen unkalkulierbare Heizkosten”, sagt Andreas Jahrstorfer, technischer Betriebsleiter von nuuEnergy. “Wer heute noch in Gas investiert, wettet gegen die gesamte europäische Politik und zahlt am Ende die Zeche über den Arbeitspreis. Auch wir könnten weiterhin mit Öl- und Gasheizungen ein gutes Geschäft machen. Der Einbau ist einfacher, die Margen sind super. Wir können unseren Kunden aber fossile Heizungen einfach nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen. Das widerspricht unserem Beratungsanspruch und auch unserer Handwerker-Ehre: Was wir einbauen muss die nächsten 20 Jahre halten”.

Das Zeitfenster für die die Förderung schließt sich 

Die sehr hohe staatliche Förderung für den Umstieg bleibt aktuell noch bestehen – allerdings mit einem klaren Ablaufdatum. Nach aktuellem Stand sind die Fördertöpfe bis maximal 2029 gesichert. Da Stimmen aus der Politik, insbesondere der CSU, die langfristige Finanzierung dieser Mittel in Frage stellen, empfehlen Experten, die Förderzusage zeitnah einzuholen. Eine Zusage ermöglicht eine Umsetzung innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Es bleibt also ein kurzes Zeitfenster, um von der hohen Amortisierung durch staatliche Zuschüsse zu profitieren. Wer zu lange wartet, riskiert, den Umstieg später komplett aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, während die Gaspreise gleichzeitig neue Höchststände erreichen.

Auf den Punkt gebracht: Was Sie jetzt wissen müssen

Das Wichtigste in drei Sätzen: Die neue „Wahlfreiheit“ beim Heizungskauf ist eine wirtschaftliche Sackgasse, da die Grüngas-Quote und steigende CO2-Preise die Betriebskosten von Gasheizungen massiv in die Höhe treiben. Während das Gasnetz zum Unsicherheitsfaktor wird, ist die Wärmepumpe im Jahr 2026 technisch ausgereift und durch sinkende Strompreise die günstigste Lösung. Wer jetzt handelt, sichert sich die maximale staatliche Förderung, bevor die Töpfe reduziert werden.

Die Gesetzeslage ist komplex, aber Ihre Entscheidung muss es nicht sein. Unsere Experten prüfen kostenlos, ob Ihr Haus bereit für die Wärmepumpe ist und wie Sie die maximale staatliche Förderung für 2026 sichern.